Wirst auch du dich unterwerfen?
Oder gehst du einen neuen Weg?
Würden reihenweise rechts-konservative Männer bei einer Machtübernahme des Islams konvertieren, weil es ihnen Vorteile bringt? Undenkbar, möchte man meinen, doch es gibt nicht nur Indizien, sondern ein Szenario: “Die Unterwerfung” von Michel Houellebecq.
Vorweg: Persönlich bin ich rechts-konservativ, weil ich so geprägt bin, dass es weiblich, männlich und homosexuell gibt, nicht aber über siebzig Chamäleons – Pardon! – Geschlechter mit täglich wechselnden Pronomen samt anhängender Gender-Debatte. Aber Lebenserfahrung, Recherche und Denken haben mich zu folgender Erkenntnis geführt: Eher werden unter links-grünen Parteien wieder Atomkraftwerke gebaut, als dass aus dem rechten Lager je das Gewaltproblem, wie es gesamt-gesellschaftlich besteht, adressiert und ursächlich korrekt benannt wird. Dies nicht nur gegen die Gefahren des Islam, sondern gegen die Gefahren im privaten Raum. Die Dystopie, dass sich rechts-konservative Männer einer Islamisierung beugten, ist näher, als wir glauben. Warum das so ist, zeige ich in diesem Essay.
Erlösung durch Unterwerfung?
Erschienen im Januar 2015 – exakt am Tag des blutigen Anschlags auf Charlie Hebdo – und visionär angesiedelt in einem Frankreich des Jahres 2022, ist Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ keine politische Provokation; er untersucht eine Zivilisation, die an ihrer eigenen Beliebigkeit stirbt. Der Protagonist, François, ist stereotypisch für den westlichen Intellektuellen: Ein Mann, der alles weiß, aber nichts mehr fühlt, dessen Leben in einer steril-akademischen Blase zwischen Mikrowellengerichten und bedeutungslosem Sex mit Studentinnen verpufft …
Worum geht es?
Der Roman spielt im Frankreich des Jahres 2022. Bei den Präsidentschaftswahlen steht das Land vor einer Pattsituation zwischen dem rechtsextremen Front National und einer fiktiven neuen Partei, der Bruderschaft der Muslime.
Die Allianz: Um den Sieg der Rechtsextremen zu verhindern, schließen sich die traditionellen Parteien (Sozialisten und Konservative) mit der Bruderschaft unter ihrem charismatischen Führer Mohammed Ben Abbes zusammen.
Der Wandel: Nach dem Wahlsieg wird Frankreich schrittweise, aber konsequent transformiert: Das Bildungswesen wird islamisiert, die Polygamie legalisiert, die Arbeitslosigkeit sinkt durch den Rückzug von Frauen aus dem Berufsleben, und die Kriminalität geht zurück.
Der Protagonist: François
François ist ein Literaturprofessor an der Sorbonne und Experte für den Dekadenz-Schriftsteller Joris-Karl Huysmans. Sein Leben ist geprägt von:
Existentieller Leere: Er leidet unter Einsamkeit, emotionaler Abstumpfung und dem Nachlassen seiner Libido.
Akademischer Apathie: Die intellektuelle Welt bietet ihm keinen Halt mehr.
Der Parallele zu Huysmans: Wie sein Forschungsobjekt Huysmans, der vom Ästhetizismus zum Katholizismus konvertierte, sucht François nach einer Form der Erlösung aus der Moderne.
Die zentralen Themen
Der Kern des Romans liegt nicht in einer Kritik am Islam, sondern in der Darstellung der Erschöpfung der westlichen Aufklärung. Dabei wird die politische Dystopie auf Basis einer individuelle Sinnkrise zur Analyse der Moderne.
Hier sind die zentralen Ebenen:
1. Das Ende des Liberalismus
Houellebecq entwirft das Szenario, dass der westliche Individualismus und die Trennung von Staat und Kirche (Laizismus) an einen Endpunkt gelangt sind. Die Gesellschaft ist fragmentiert und findet keinen gemeinsamen Sinn mehr.
2. Die Psychologie der Unterwerfung
Der Titel bezieht sich auf die Bedeutung des Wortes „Islam“ (Unterwerfung und Hingabe). Der Roman postuliert, dass der Mensch ein tiefes Bedürfnis nach einer hierarchischen Ordnung und einer transzendenten Bindung hat. Die Unterwerfung wird hier nicht als Demütigung, sondern als entlastende Lösung für den orientierungslosen modernen Menschen dargestellt.
3. Patriarchat und Biologie
Ein wesentlicher Aspekt der „neuen Ordnung“ im Buch ist die Wiederherstellung patriarchaler Strukturen. Für François und andere männliche Akademiker bietet das neue System greifbare Vorteile: sozialen Status und die durch Polygamie legitimierte sexuelle Verfügbarkeit jüngerer Frauen.
Der Roman endet damit, dass François die Konversion zum Islam als logischen Schritt akzeptiert. Dies nicht aus religiöser Überzeugung, sondern als pragmatische Anpassung an ein System, das ihm wieder einen Platz in der Welt zuweist.
Erlösung aus der Moderne
Dieses Vakuum entsteht, wenn eine Gesellschaft ihre transzendenten und biologischen Anker kappt. Der Liberalismus hat den Menschen zwar „befreit“, ihn aber gleichzeitig in die totale Vereinzelung und Orientierungslosigkeit gestürzt. Was bleibt, ist ein tiefer Hunger nach Bedeutung, nach einer Struktur, die dem Chaos des Daseins Einhalt gebietet. Houellebecq zeigt uns einen Westen, der so müde ist, dass er seine Souveränität bereitwillig an jede Macht abgibt, die ihm wieder ein Gefühl von Ordnung und – vor allem für den Mann – von Relevanz verspricht. Die Unterwerfung ist die vermeintliche Erlösung aus einer Moderne, die nur noch Leere produziert. Es ist das Endstadium eines Patriarchats, das sich in sich selbst verliert und aus sich heraus keine Lösung mehr findet.
Eine Gesellschaft auf dem Rücken der Frau
In Houellebecqs Vision ist die Wiedereinführung der Polygamie der Mechanismus zur Befriedung der männlichen Instabilität. Es ist ein hocheffizientes, wenn auch zutiefst zynisches Modell: Den einflussreichen, wohlhabenden Männern wird der Zugriff auf mehrere junge Frauen garantiert. Das stabilisiert die Spitze der Hierarchie und schafft einen Anreiz für den sozialen Aufstieg. Doch dieser Frieden wird teuer erkauft. Er wird auf dem Rücken der Frau errichtet, deren individuelle Freiheit und deren eigener biologischer Instinkt außer Kraft gesetzt wird.
Polygamie in diesem Kontext ist kein Ausdruck von Freiheit, sondern ein Instrument der Kontrolle. Sie reduziert die Frau auf eine Ressource, die verteilt wird, um männliche Aggression zu kanalisieren und männliche Loyalität zum System zu (er-)kaufen. Das weibliche Selbstverständnis wird hierbei geopfert. Wo die Frau nicht mehr Subjekt ihrer eigenen Wahl ist, sondern Objekt einer staatlich oder religiös sanktionierten Diktatur, endet jede Form von Freiheit. Es ist die Instrumentalisierung des Weiblichen zur Rettung einer männlichen Psyche.
Wenn der weibliche Instinkt außer Kraft gesetzt wird
Immer dann, wenn wir konstatieren, dass Männer psychologisch ohne umfassende Kontrolle über Frauen instabil werden, offenbart sich das Versagen. Eine Gesellschaft, die Polygamie einführt, damit Männer Zugriff auf möglichst viele junge Frauen haben, ist eine Welt der moralisch-energetischen Degradierung. Der weibliche Instinkt – die uralte, präzise Kraft der Auswahl – wird in einer solchen Matrix zum Schweigen gebracht.
Houellebecq nutzt ein provokantes Argument: Er suggeriert durch einige (weibliche) Nebenfiguren, dass diese Unterwerfung eine Rückkehr zu einer „natürlichen“ Ordnung darstelle, die Frauen von dem Druck der Selbstverwirklichung entlastet.
Hierin liegt seine Gesellschaftskritik: Er behauptet nicht, dass dies gut sei, sondern dass eine Gesellschaft, die keine geistigen Werte mehr hat (der atheistische Westen), zwangsläufig zu einem primitiven Biologismus zurückkehrt. Die Freiheit der Frau wird geopfert, weil sie das Element in einem System ist, das nur noch auf Kontrolle und Selbsterhaltung ausgerichtet ist.
Die Stabilisierung findet nicht mit der Frau statt, sondern über sie.
Das System kauft sich Ruhe durch die Unterdrückung der weiblichen Subjektivität. Für Houellebecq ist dies das logische Ende einer Zivilisation, die ihre spirituellen Wurzeln verloren hat und nur noch in Kategorien von Macht und Biologie denken kann.
Wenn die Frau mittels „Female Choice” nicht mehr die Torwächterin darüber ist, welche Gene sie weitergibt und welche nicht, dann kommt die Evolution zum Stillstand. Schlimmer noch: Sie degeneriert. Die künstliche Stabilisierung des Mittelmaßes durch garantierten Zugriff auf das Weibliche verhindert, dass sich echte Qualität durchsetzt. Es entsteht eine Gesellschaft der „Besitzer“, nicht der „Gewählten“. Das ist kein spiritueller Fortschritt, das ist energetische Versteinerung. Eine Welt, in der die Frau ihre Wahlfreiheit verliert, ist eine Welt, in der das Leben selbst seine Richtung verliert. Darüber berichtete ich im Artikel „Die Wahrheit über dein Geschlecht und das andere, was du noch nicht weißt”.
Die Gegendystopie
Stellen wir dieser dystopischen Vision ein anderes Szenario gegenüber: Eine Utopie der absoluten weiblichen Souveränität. Nehmen wir an, Frauen wären völlig frei in ihrer Wahl. Die Gesellschaft garantiert diese Freiheit nicht nur auf dem Papier, sondern als existenzielles Fundament. Frauen können Männer ablehnen oder annehmen, völlig unbeeinflusst von ökonomischem Druck oder sozialen Zwängen. Das ist die Rückkehr der Frau in ihre Rolle als Torwächterin. Wie sähe die Gesellschaft dann aus?
Das Weibliche als Ordnungsprinzip
In diesem Modell fungiert die weibliche Wahl als der primäre Filter für die Zuweisung von Ressourcen und den Fortbestand von Gensequenzen. Dies führt zu einer enormen Leistungs- und Optimierungskultur auf männlicher Seite:
Evolution: Durch die positive Rückkopplung erwünschter Merkmale wie Intelligenz, Empathie und Vitalität entsteht eine beschleunigte evolutionäre Anpassung und Verfeinerung.
Soziale Hierarchie: Anstelle einer Dominanz-Hierarchie etabliert sich eine Kompetenz-Hierarchie, in der Männer durch sozialem Verhalten und Exzellenz konkurrieren.
Ressourcenverteilung: Die Verteilung von Ressourcen ist an die Attraktivität für die Frau gebunden, was zu einer Umverteilung zugunsten derer führt, die das gesellschaftliche Überleben sichern.
Psychologische Konsequenzen für den Mann
Für den Mann bedeutet die totale Freiheit der Frau das Ende der garantierten Existenzberechtigung. Er wird von einem „Recht auf Teilhabe“ in einen Zustand der permanenten Bewährung versetzt.
1. Die Notwendigkeit der Veredelung
Da der physische Zugriff oder die institutionelle Absicherung (wie im Patriarchat) wegfällt, muss der Mann seine Antriebe sublimieren. Er muss Werte schaffen – sei es in der Kunst, Wissenschaft oder sozialen Stabilität –, um als „wahlwürdig“ zu erscheinen. Die männliche Psychologie würde sich von einer defensiven Erhaltungshaltung zu einer offensiven Selbstoptimierung entwickeln.
2. Selektionsangst
Die Kehrseite ist eine tiefgreifende existenzielle Unsicherheit. Ein signifikanter Teil der männlichen Bevölkerung würde biologisch und sozial „unbesetzt“ bleiben. Dies führt zu zwei möglichen Pfaden:
Der konstruktive Pfad: Männer finden Sinn in Aufgaben jenseits der Fortpflanzung (Kulturarbeit, Philosophie, Dienst an der Gemeinschaft).
Der destruktive Pfad: Bei mangelnder Reife entsteht eine aggressive Frustration durch das Gefühl der Nutzlosigkeit. Eine solche Gesellschaft müsste Mechanismen finden, um diese ungenutzte männliche Energie zu kanalisieren.
Evolution statt Stillstand
Während Houellebecqs Szenario eine Rückkehr zur statischen Tradition ist, stelle ich hier einen Prozess der Sublimierung gegenüber.
Qualitätskontrolle des Lebens: Wenn Frauen frei wählen, sinkt die Wahrscheinlichkeit für die Weitergabe von Genen, die mit Gewaltbereitschaft oder geringer Kooperationsfähigkeit assoziiert sind (sofern die Wahl auf soziale Merkmale fällt).
Verschiebung der Machtmittel: Macht wird nicht mehr durch physische Unterwerfung definiert, sondern durch die Fähigkeit, Räume zu schaffen, in denen das Weibliche (und damit das zukünftige Leben) gedeihen kann.
Das Ende der Dekadenz: Die von Houellebecq beschriebene Leere des François würde hier nicht durch Unterwerfung unter ein Dogma geheilt, sondern durch die Notwendigkeit, wieder „echt“ und „wirksam“ zu werden, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Das psychologische Paradox
In einer Welt der absoluten weiblichen Wahl wird der Mann gezwungen, das zu werden, was die Evolution von ihm verlangt: ein hochfunktionales, schützendes und innovatives Wesen. Die Frau wiederum trägt die Verantwortung für die Richtung der Spezies.
Die „Unterwerfung“ bei Houellebecq ist eine Flucht vor der Verantwortung; Mein Gegenentwurf ist die Annahme der biologischen und moralischen Verantwortung.
In diesem Milieu stabilisiert sich die Gesellschaft nicht durch den Rückzug der Frau, sondern durch ihre maximale Präsenz als prüfende Instanz. Männer werden dadurch psychisch stabiler, weil ihre Rolle wieder an eine reale, biologische Notwendigkeit gekoppelt ist und nicht an ein künstliches, paternalistisches und patriarchales Konstrukt.
Die Rückkehr der qualitativen Selektion
Wir erleben aktuell, dass dort, wo ökonomische und finanzielle Freiheit für Frauen zur Realität wird, die weibliche Wahl zurückkehrt. Es ist kein Zufall, dass die oft beklagte „Male Epidemic Loneliness“, die epidemische Einsamkeit der Männer, genau dort sichtbar wird, wo die finanzielle Unabhängigkeit der Frau das alt-patriarchale Abhängigkeitsmodell ersetzt hat. Wo Female Choice über Jahrhunderte durch ökonomische Erpressung unterdrückt war, konnte eine Männlichkeit überleben, die energetisch längst tot ist. Sobald Frauen jedoch wieder frei wählen – weil sie es finanziell können –, scheiden jene Männer aus, die im Sinne der Frau nicht wirklich männlich „reif“ sind.
Wiederherstellung der natürlichen Ordnung
Wenn die Frau in die maximale Wahlfreiheit kommt, stabilisiert sich paradoxerweise das gesamte System. Der Mann findet wieder Sinn, weil er um seinen Platz in der Welt und im Herzen der Frau ringen muss. Ein Sieg, der errungen wurde, ist wertvoller als ein Privileg, das einem durch ein Gesetz oder eine Ideologie verordnet wurde. Die Beziehung zwischen den Geschlechtern verlässt die Ebene der Versorgung und der Unterwerfung und betritt den Raum des gegenseitigen Respekts und der echten Zuneigung sowie Wesenserkennung.
In dieser neuen Ordnung ist die Frau nicht mehr Opfer einer instabilen männlichen Psyche, sondern Regisseurin des Lebensflusses. Der Mann ist nicht mehr der Besitzer, sondern der Partner, der sich durch seine eigene Qualität legitimiert. Dies ist kein modern-feministischer Take, sondern aus energetisch-spiritueller Sicht die Rückkehr zur göttlich natürlichen Ordnung, wie wir sie überall in der Natur beobachten können. Bei fast allen Säugetieren ist es die weibliche Instanz, die prüfende, selektierende und entscheidende Kraft. Das Männchen muss sich beweisen – durch Kraft, durch Geschick, durch Kompetenz oder durch die Fähigkeit, das Überleben zu sichern.
Das Patriarchat ist – in Wahrheit – der Versuch des Mannes, die Hierarchie weiblicher Selektion Schachmatt zu setzen, um sich dem natürlichen Wettbewerb nicht mehr stellen zu müssen.
Dieser Versuch, die biologische Messlatte künstlich tiefer zu legen, ist der eigentliche Sündenfall gegenüber der Schöpfung. Indem das Patriarchat seit ca. 10.000 Jahren den Zugriff auf das Weibliche durch moralische Korsette, ökonomische Erpressung, per Gesetz und religiöse Dogmen absicherte, erschuf es eine Schutzzone für eine Männlichkeit, die sich nicht mehr bewähren muss.
Dies ist die Installierung eines energetisch-evolutionären Stillstandes: Der Mann muss nicht mehr leuchten, nicht mehr führen, nicht mehr über sich hinauswachsen – er muss lediglich das System stützen, das ihm seine „Beute” garantiert. Dieser Status Quo hat zu jener geistigen und physischen Degeneration geführt, die wir heute als „westliche Erschöpfung“ erleben. Wenn wir diese künstlichen Wälle einreißen, kehren wir nicht zum Chaos zurück, sondern zur Klarheit der (göttlichen) Natur, in der Qualität kein Privileg ist, sondern die unumstößliche Bedingung für Existenz.
Zwei Wege
Weder der linke Ideologie-Wahn mit seinen siebzig Geschlechtern noch das Instrumentalisieren oder Schweigen des rechten Lagers gegenüber der privat-häuslichen Gewalt werden uns retten. Das Problem ist nicht politisch, sondern die psychologische Konstruktion des Minus-Mannes, wie ich ihn in „Die Wahrheit über dein Geschlecht und das andere” beschrieben habe.
Houellebecqs „Unterwerfung“ ist die Quittung für eine Politik, die sich weigert, die energetische Überschuldung des Minus-Mannes (begrifflich definiert) zu erkennen. Solange dem Weiblichen – der Female Choice – durch ökonomische oder ideologische Zwänge der Raum zur freien Entfaltung genommen wird, bleibt uns nur die Wahl zwischen der „Unterwerfung“ in einen kulturellen Rückschritt – denn eine Islamisierung ist keine neue patriarchalische Ordnung, sondern eine Regression – oder der Neuinstallation weiblicher (Ur-)Natur.
Wer heute konservative Werte meint und sie zu schützen sucht, denkt aus dem Bekannten heraus und sucht Lösungen im Bekannten. Die zyklische Bindung, wie sie z. B. im Verfassungskreislauf definiert ist, lässt jedoch keinen Bruch mit dem Zyklus zu. Staatsformen wechseln sich nur ab. Mein Essay enthebt daraus über eine Neuordnung im Denken, ein mental-experimenteller Wurf, ohne jedoch den Anspruch einer soziologischen Studie zu verfolgen – noch links-feministischer Agitation zu gehorchen.
Warum …?
Meine letzten Notes auf Substack und Postings Telegram animierten mich zu diesem Text, da ich immer wieder um Lösungen gefragt wurde. Menschen goutieren keine Faktenbeschreibung mehr, wie als bräuchte es nur einen Lagebericht, von dem aus jeder selbst operieren kann. Die Abwehrreaktion von Männern, wann immer es um Gewalt gegen Frauen geht, ist legendär und ich erlebte es selbst, auch aus meiner eigenen Community, immer wieder. Das Schema ist: leugnen, bagatellisieren, relativeren, den Diskurs umlenken, gehen und heimlich weiter trotzen. Dabei wird der böse Feminismus vorgestellt, der hinter jeder weiblichen Leiderfahrung zuvorderst und exklusiv eine Kampagne gegen Männer vermutet – wobei unisono gemauert wird: Von Täter-Opfer-Umkehr bis hin zu Frauenparkplätze wären Symbole des Teufels und die menstruierende Bevölkerung dürfe sich genauso im Krieg verheizen lassen, wie jeder anständige Mann auch, wo kämen wir sonst hin mit der Emanzipation, gleiches Recht für alle ist alles dabei.
Wer trotzt? Ego-stabile Männer trotzen nicht, ego-fragile Männer trotzen, denn sie sehen eines richtig: Wann immer eine Frau – oder ein Mann – Gewaltmuster gegen Frauen, sexuelle Gewalt, Missbrauch usw. nur bespricht, ist damit die Konstruktion infrage gestellt, die dem ego-fragilen Mann den Zugriff auf Frauen bisher in den Schoß legte, nämlich das System per se.
Fiele das System, fällt auch die Tarnung. Und damit der ego-fragile Mann.
Damit ist meine These jedoch nicht widerlegt nicht, sondern untermauert. Die Rückbesinnung auf alte Werte, Tradwifes, Kinder-Kirche-Küche usw. gehören dem rechts-konservativen Verständnis an, sind jedoch nur Vor-Veröffentlichungen aus der geheimen Bibliothek, nämlich jener impliziten Träumerei, die von vollständiger Kontrolle über Frauen träumt, mit oder ohne Tschador (Burka). Aus dem Grund ist das rechts-konservative Spektrum für eine Islamisierung weniger immun als die links-grüne Fraktion, die jedoch die Türen erst öffnete.
Was bedeutet es für die Frauen?
Für Frauen gilt es zu erkennen, dass Männerangst, Sprechhemmung und Sprechangst über eigene Werte, Empfindungen, Wünsche, aber auch Gewalterfahrungen keine Einzelsensationen sind, die subjektiv im Innenraum stattfinden. Sie sind längst generalisiert, als Fremd-Implantat von außen. Frauen denken nur, es wäre normal.
Ferner gilt es zu erkennen, dass weder das linke noch das rechte Spektrum die Frau in ihren Urzustand rücken, bzw. erheben, wird. Auch freie Medien werden dieses Thema nicht angehen. Sie können es nicht, da sie es einerseits nicht durchdringen, andererseits wäre der Backlash aus den eigenen Reihen zu groß, und in wenigen Fällen wollen sie es nicht – aus bekannten Gründen.
Das linke Spektrum hat sich in einem uferlosen Konstruktivismus verloren. Indem es die biologische Kategorie „Frau“ im Nebel von siebzig Geschlechtern auflöst, nimmt es ihr das schärfste Schwert: die Benennung der Realität. Die Linke bietet heterosexuellen Frauen eine Pseudobefreiung an, die im Kern eine Entwurzelung ist.
Das rechte Lager wiederum nutzt die Frau als moralisches Aushängeschild für einen Heimatschutz, der im Privaten oft an der eigenen Türschwelle endet. Man beschwört die „traditionelle Familie“, meint aber insgeheim die institutionelle Absicherung des ego-fragilen Mannes.
Für Frauen bedeutet es: Von dieser Form der Männlichkeit – ob sie sich nun hinter ideologischem Fortschritt oder nostalgischer Tradition versteckt – werden Frauen weder echten Schutz noch wahre Sicherheit erfahren. Jeglicher Einsatz für weibliche Belange bleibt in diesen Lagern eine bloße Funktion ihrer eigenen politischen Agenda. Der Fortschritt beginnt dort, wo wir aufhören, auf äußere Retter zu warten, und stattdessen für uns selbst einstehen. Unsere Sicherheit liegt in unserer eigenen Hand – in der wachsamen Abwehr archaischer Rückschritte von außen ebenso wie in der konpromisslosen Klärung der Gefahren in den eigenen vier Wänden.
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